Mittwoch, 10. Oktober 2012

Lemony Erik's A Series of Unfortunate Events

Also heute war einfach der Wurm drin. Eine ganze Reihe von kleineren Kataströfchen und Missgeschicken, die jede für sich nicht wirklich niederschmetternd oder Schaden bringend waren. Wirklichen Schaden brachten sie auch nicht, aber sie nerven halt. Und alle kosten sie Zeit bzw. werden das noch kosten - vom möglichen Geld ganz zu schweigen. Aber wie heißt es so schön? "Wenn's läuft, dann läuft's!"

Es begann heute morgen um halb zwei. Selbst Schuld, wenn man um die Zeit aufsteht, aber manchmal muss man (ich werde das jetzt nicht vertiefen). Jedenfalls stolpere ich schlaftrunken ins Bad, patsche mit der Hand auf der Suche nach dem Lichtschalter über die Wand, finde ihn, drücke ihn - und dann höre ich das berühmte "brrtzzelll", es blitzt und bleibt dann dunkel. Nachts um halb zwei.

Gut, das war jetzt nicht wirklich ein Beinbruch; ich habe genug Licht im Badezimmer. Das muss ich kurz erklären: Mein Badezimmer ist wirklich raffiniert gestaltet und hat deswegen fünf verschiedene Lichtquellen mit ebenso vielen Lichtschaltern. Wenn also eines ausfällt, brennt irgendwo immer noch irgendeine Lampe. Im Dunkeln erwischte ich aber den Schalter der Spiegelbeleuchtung. Die brauche ich durchaus zum Rasieren (oder soll ich mir wieder einen Bart stehen lassen? Das finden die Frauen nicht gut - vor allem diejenigen, die sonst nichts von mir wollen...). Also was tun?

In einem Anfall von Leichtsinn begann ich noch in der Nacht der Fehlersuche. Fragt mich nicht warum, ich tat es. Und ich weiß jetzt: Die Glühbirnen sind es nicht. Es sind diese kleinen Halogen-Steckbirnen, die sowieso schwer in die Fassung rein bzw. rausgehen, sofern man überhaupt an sie herankommt, weil die Lampen relativ hoch hängen und außerdem recht ordentlich und fest montiert sind... Jedenfalls habe ich sie angesichts der Fummelei, die ich mit der Demontage und Montage hatte, wirklich genau untersucht - und sie sind in Ordnung. Meine Hoffnung ist jetzt, dass es sich um den Schalter handelt (ich hab das so im Gefühl; das "brrtzzelll" schien mir von da zu kommen). Wenn's der Schalter nämlich nicht ist - und an den komme ich leicht ran -, muss ich den Spiegelschrank abbauen, und das wird schwierig. Ich sage nur: massiver Einsatz von Silikon zur Abdichtung, und das ist nicht alles.

Aber es ging ja weiter. Der Vormittag lief noch ganz gut, und in der Mittagspause huschte ich in die Stadt, weil ich einen Stempel für mich abholen wollte. Es war eilig, ich brauchte ihn dringend, kurzfristig und heute und war daher froh, dass die Firma ihn in 24 Stunden anfertigen konnte. Ich springe also in den Laden, man präsentiert mir das gute Teil - und es hat einen Fehler in der Druckmatrize. Der ist zum Teil mir anzulasten: Wir haben den Text in letzter Sekunde noch leicht geändert, und die Vorlage war nun nicht mehr wirklich eindeutig zu erkennen. Aber trotzdem...

Hut ab vor der Firma: Ohne dass ich lange quengeln musste, boten sie mir die Korrektur für den gleichen Tag um 17.00 Uhr an. Das brachte meinen Tagesplan zwar etwas durcheinander, aber lag noch im Limit. Vor allem, nachdem sich mein Feierabend von 15.30 Uhr auf 17.00 Uhr verschob, weil ein mit mir vereinbarter Termin zuerst immer weiter nach hinten wanderte und dann schließlich ganz ausfiel... Na toll, aber wenigstens konnte ich so den Stempel ohne große Umwege und Zeitverluste abholen.

Der Zeitverlust kam dann: Durch den Umweg zu diesem Stempelladen fuhr ich erstmals nach mehreren Monaten eine Straße entlang, die bisher wegen größtformatiger Straßenbauarbeiten gesperrt war. So ganz fertig sind die Arbeiten noch nicht, aber die Straße ist an sich für den Verkehr frei gegeben. Ich wollte sie jetzt sowieso einmal befahren, unter anderem, weil auf dieser Straße anstelle zweier Kreuzungen nun Kreisverkehre gebaut wurden, und ich lieeebe Kreisverkehre. So kurvte ich durch diese neue Straße, lavierte an den dort noch existierenden Baustellen vorbei, kreiselte durch die Kreisverkehre und komme dann an die Kreuzung, wo ich nach links abbiegen musste.

Das ging aber nicht. Wie gesagt, teilweise noch Baustelle. Auch an der Kreuzung. Links abbiegen verboten. Geradeaus kam eine Brücke, und dahinter nützte mir links abbiegen gar nichts, und wenden war genau so blöd. Also rechts abbiegen, dann noch mal rechts, dann noch mal, und ich kam wieder zu der neuen Straße mit ihren schönen Kreisverkehren, weil ich von dort aus auch einen anderen Weg nehmen kann. Dummerweise waren die Kreisverkehre - rechts und links noch Baustellen, ihr wisst noch? - inzwischen durch Rückstaus verstopft, und nichts rührte sich mehr...

Dass ich auf dem Weg in diesen Stau über eine extrem holprige Straße ruckeln musste, auf der mein Schutzengel, der mich auf meinem Armaturenbrett begleitet, den Abflug machte und abstürzte, besserte meine Laune keineswegs...

Sagte ich schon, dass ich Kreisverkehre liebe? Ich weiß nun auch wieder warum: Sowie sich im Verkehr auch nur die kleinste Lücke bot, löste sich der Stau, der wirklich ungelogen einmal rund um diesen Kreisverkehr reichte, sofort auf, und ich war schnell wieder durch. Aber der Zeitverlust war inzwischen noch größer geworden, und so langsam wurde es bei mir drängend. Denn ich musste noch einkaufen (wie ihr wisst, habe ich gestern sogar vergessen, mir ein Brot zu kaufen, und war dementsprechend hungrig).

Ich hirschte also ins Kaufland, stürzte durch die Regalreihen, wuchtete einen Bierkasten auf die untere Ablage des Einkaufswagens und bemerkte in dem Augenblick, dass ich einen Wagen erwischt hatte, dessen untere Ablage kaputt war. Fiel nicht auf, wenn da nichts drauf stand, aber mit Bierkasten schleifte sie beinahe über den Boden und wippte so sehr auf und ab, dass ich in den Kurven Probleme bekam. Irgendwie bugsierte ich das Ding aber doch sicher an die Kasse und stellte dort beim Abkassieren fest, dass ich beim Versuch, meine Ladung irgendwie zu fixieren und zu sichern, übersehen hatte, dass im Kasten eine Flasche fehlt...

Mit Blick auf die hinter mir länger werdende Schlange und eingedenk meiner wachsenden Zeitnot einigte ich mich mit der Kassiererin, nicht noch mal in den Markt zu rennen und die fehlende Flasche zu holen. Da der komplette Kasten bereits eingebont war, musste das wieder raus und neu mit einer Flasche weniger gerechnet werden - und weil sich die Kassiererin dabei vertippte, standen auf einmal runde 250 Euro auf der Anzeige. Mir blieb das Herz stehen... Der Fehler war schnell entdeckt: Statt 19 Flaschen hatte sie 19 Kästen gerechnet. Das Korrigieren dauerte... Und als sie die Korrektur endlich fertig hatte, alles stimmte, die Endsumme fest stand und ich mein Portmonee zücken wollte, griff meine Hand ins Leere.

Ich stand wirklich wie in einem Spielfilm da und klopfte panisch meine sämtlichen Taschen ab, bis mir einfiel: Das Ding liegt im Auto. Die Kassiererin hatte Verständnis, die hinter mir wartenden anderen Kunden auch, und zu meinem Glück hat Kaufland für diese Fälle auch ein Prozedere: Der gefüllte Einkaufswagen wird mit der fertigen Gesamtrechnung an der Info deponiert, und wenn man dann das Portmonee geholt hat, muss man nur noch einmal zur Kasse gehen anstatt sich noch einmal mit allen Waren anzustellen. Das tat ich, bezahlte die Rechnung, bekam meinen Einkaufswagen und eierte mit kaputter Ablage, nicht komplett gefülltem Bierkasten und dem ganzen Rest zum Auto.

Auf dem Heimweg bemerkte ich, dass sich ein längst behoben geglaubter Fehler erneut meldete. Dank eines Wackelkontakts im Armaturenbrett funktionieren zeitweise weder Tachometer noch Drehzahlmesser. Und nun schätze mal 80 km/h in einem fahrenden Auto ab (PS: In Brandenburg ist die Orientierung an anderen Autofahrern nicht immer zielführend).

Aufgrund all dieser Widrigkeiten kam ich nicht mehr dazu, noch Abendbrot zu essen, bevor ich zu einer Vereinssitzung fuhr. Aber kein Problem, auf dem Heimweg komme ich immer an einem Dönerladen vorbei, der zum Glück auch lange auf hat. Das Abendbrot wäre also wenn auch spät gesichert gewesen - wenn ich einen Parkplatz gefunden hätte. Den fand ich aber nicht. Und nach diesem Tag hatte ich keine Lust mehr lange zu suchen oder weit zu laufen. Ich fuhr nach Hause und schob mir noch eine Stulle hinter die Kiemen...

Und so muss ich in den nächsten Tagen eine Badezimmerlampe reparieren, meine Autoarmaturen weiter im Auge behalten, meinen Schutzengel irgendwie wieder festmachen. Außerdem darf ich nicht vergessen, beim Einkaufen auf TÜV-geprüfte Einkaufswagen und wirklich gefüllte Bierkästen zu achten. Dass ich mein Portmonee demnächst immer am Mann tragen werde, versteht sich auch von selbst.

Ach, ich liebe diese Tag...

Kommentare:

Joachim Buck - Traditionell bauen hat gesagt…

Herzlich willkommen im Leben ;-)

LG. Joachim

RoM hat gesagt…

Witty - normalerweise findet sich eine solche Häufung von "Ereignissen" eher in Komödien wieder, wo wir uns dann wissend bekichern. Natürlich gibt es eine nachvollziehbare Erklärung für solche Pechsträhnen - wenn Dinge schief laufen, dann aber auch richtig. Spätestens wenn wir Zufälle in eine Reihe setzen und uns dann (zB) Zeitnot zur Eile treibt. Kleine Ursachen (fehlende Bölkstoff-Einheit), größere Wirkungen (Kassencrash). Vielleicht hatte die Kassiererin einen ähnlichen Tag hinter sich.

Kein Geldbeutel an der Kasse ist natürlich Adrenalin haltig. Speziel mit laufenden Metern Kundenschlange. Nicht von ungefähr kontroliere ich vor jedem Kauf den Sitz meiner Brieftasche.

In summa ein anstrengender Tag für Dich. Deinem Humor hat er keinen Abbruch getan.

Ja, die Gesichtsbehaarung - die überflüßigste Einrichtung der Natur. Allein die Gefahr durch morgendlich bedingte Unachtsamkeit... ;-)

Erik Nagel hat gesagt…

Übrigens: Als ich deinen Kommentar gelesen habe, ist mir auf einmal ein anderer Film eingefallen, der auch zum Thema passt: "Clockwise" mit John Cleese. Zum Glück hat's bei mir nicht so geendet... :-)

RoM hat gesagt…

"Recht so!..."