Dienstag, 2. Oktober 2012

Die Stille zwischen der Nacht und dem Tag

An der Grenze zwischen der Nacht und dem Tag. (© Erik Nagel)

Den Himmel habe ich schon oft fotografiert. Aber ich mache es immer wieder gerne, selbst wenn sich dabei das eine oder andere Motiv wiederholt. Mich fasziniert diese einzigartige Schönheit, die ein Himmel in sich vereint, ich werde nie müde, mich in dieser Unendlichkeit zu verlieren. So wie heute morgen.

Ich liebe diesen Moment einfach, diesen Augenblick, wo die Nacht fast vorbei ist, der Tag selbst aber noch nicht ganz angefangen hat. Dämmerung, Zeit des Zwielichts, Zeit der absoluten Stille. Die Nacht ist nicht wirklich still, in der Dunkelheit arbeiten die Ohren auf Hochtouren, hören hier ein Rascheln, dort ein Wispern. Der Tag wiederum kann noch so ruhig sein, die Augen sind so in Anspruch genommen, dass diese Stille nicht wahrgenommen wird. Allein die Dämmerung, dieser kurze Moment zwischen der Nacht und dem Tag, verbreitet für mich einen unglaublichen Augenblick des Friedens. Ein letzter Stern funkelt einsam am Firmament, während die Sonne ihre ersten Strahlen hinter dem Horizont hervor schickt. Die Welt hält noch einmal inne und ist in sich allein, bevor sie erwacht und mit Leben erfüllt wird. Die Dämmerung verbreitet ein Gefühl der Einsamkeit, aber es verursacht keine Furcht, sondern macht neugierig auf das, was kommt.

Jetzt im Herbst ist es einfach, diesen Moment zu finden. Er liegt für mich zurzeit genau in dem Zeitraum zwischen dem Aufstehen und dem Weg zur Arbeit. Und so hatte ich heute morgen wieder die Gelegenheit, diese Stille im Universum zu sehen und zu spüren. Ich stand da im Bademantel auf der Terrasse, hatte den Fotoapparat in der Hand, bibberte in der eisigen Luft des Morgengrauens und genoss einen klaren, einsamen, kalten, stillen und unendlichen Himmel von strahlend-tiefem - ein Künstler würde vermutlich lapislazuli sagen - Blau über mir. Nur kurz danach verlange die aufgehende Sonne ihr Recht, vertrieb die Ruhe der Nacht und verbreitete die Hektik des Tages. Und es war wieder hektisch, wie so oft, wie eigentlich immer.

Aber diese paar Minuten der durchgehenden Ruhe zwischen der Nacht und dem Tag, die werden mich wohl immer in den Bann ziehen.

Morgendämmerung. (© Erik Nagel)

Kommentare:

RoM hat gesagt…

In einem Film von Eric Rohmer wird besagter Zeitpunkt exakt umschrieben. Es ist der Moment der Stille. Wenn die Vögel der Nacht verstummt sind und die des Tages eben die Augen öffnen.

Die meisten Filme des Franzosen eignen sich bestens zur emotionalen Entspannung. Mir ergeht es zumindest so.

Janni Aroha hat gesagt…

Wunderschön!
Bilder und Text.
Spiegelt genau mein Empfinden wieder. :)

RoM hat gesagt…

Ein post scriptum...
Du näherst Dich stramm der 6000 Besuche hier!

Wolkentänzerin hat gesagt…

Wundervolle Bilder! Und ja, es stimmt, die Unendlichkeit des "Himmels" verleitet dazu, sich darin zu verlieren. In der Natur ist es meiner Meinung nach immer am idealsten Ruhe und Stille zu finden, fernab vom Treiben dieser Welt.

Zauberhafter Post!

Liebste Grüße
Wölkchen

SylviaS hat gesagt…

sehr poetisch und wunderschön eingefangen und beschrieben...ich würd den moment ja jetzt gern geniessen, aber meine beiden vögel benehmen sich wie vandalen und krakeelen und flattern wie angeschossen ... die schätzen deinen schönen moment so gar nicht...*ruheeee

Anonym hat gesagt…

Hallo aus Reken, ich muss sagen, dass die Beschreibung zu Dir und Deinem Blog im Freizeitcafe Recht behalten hat: Wirklich einigartige Beschreibungen der kleinen Dinge & sehr echt/richtig schön zu lesen. Mein Kompliment-schaue gerne weiter und öfter auf Deiner Weltkugel hier vorbei; es inspiriert mich vielleicht auch schon bald einmal selbst zu bloggen. LG Susanne

Erik Nagel hat gesagt…

Ich würde mich freuen, wenn du öfter mal vorbei schauen würdest.

Erik Nagel hat gesagt…

Vielen lieben Dank!

Erik Nagel hat gesagt…

Wenn ich ganz ehrlich bin: Ich hab die 14.000 schon geknackt. Der Counter unten taugt nix...

Erik Nagel hat gesagt…

Irgendwo habe ich mal über Rohmer gelesen, niemand kann so gut über nichts erzählen wie er... :D

RoM hat gesagt…

Interessant - zählt er dann nur wenn ein Sonntag auf den Donnerstag fällt... :-)

RoM hat gesagt…

Er war ein fabelhafter Beobachter von Menschen. Zudem hatte er ein untrügliches Auge für weibliche Schönheit.

Phil und Charly hat gesagt…

Tolle Bilder...Ich weiß du magst keine Frauen, die seufzen, aber:

Seufz....

LG

Frauchen von den Katern :D