Samstag, 20. Oktober 2012

Henker am Lenker

Was das Autofahren angeht, vertrete ich eine sehr einfache Meinung: An die Verkehrsregeln muss man sich halten, egal für wie sinnvoll man sie hält. In diese Überlegung schließe ich auch die Geschwindigkeitsbegrenzungen mit ein (ich habe das hier schon einmal thematisiert). Nun weiß ich auch, dass das Überschreiten der Geschwindigkeit gerne mal als simples Kavaliersdelikt angesehen wird. Ich vermute, dass das speziell bei männlichen Autofahrern etwas mit Testosteron zu tun haben muss, bin mir aber nicht sicher. Es erklärt ja auch nicht, dass zumindest in meiner Wahrnehmung auch immer mehr Frauen zu einer Kamikaze-Fahrweise tendieren. Ich verstehe außerdem einfach nicht, dass diese "Raser" mit ihrem Führerschein spielen wie ein Schwein mit einem Schober Stroh, obwohl sie wissen, was sie riskieren (sowas nenne ich idiotisch). Und ich verabscheue, dass sie damit nicht nur sich, sondern vor allem auch andere gefährden.

Besonders irritierend finde ich in dem Zusammenhang die Tatsache, dass ich in die Kategorie "rücksichtslose Autofahrer" immer mehr Fahrzeugführer aufnehmen muss, denen ich eigentlich aus beruflichen bzw. Überzeugungsgründen eine andere Einstellung dazu zugestehen würde. Ich rede von Pflegediensten, Hilfsorganisationen und ähnlichem.

Ich sehe jeden Tag zahlreiche derartige Fahrzeuge über die Straßen rollen, und fairerweise gebe ich auch zu, dass die meisten davon ganz sinnig unterwegs sind. Aber eben nicht alle. Und wenn ich mir zum Beispiel so eine Mitarbeiterin eines Pflegedienstes ansehe, geschätzte 50 Jahre alt, in einer kleinen roten Nuckelpinne sitzend, die auf 200 Meter Straße die Geschwindigkeit deutlich überschreitet, zwei Mal Vorfahrt nicht gewährt, falsch rum in eine Einbahnstraße brettert und zu guter Letzt über den Gehweg donnert, und das nicht nur einmal, dann hört's bei mir auf. Ja, ich weiß, die stehen unter Termindruck, aber ist das kein Grund, mit dem eigenen oder gar dem Leben eines anderen zu spielen. Und gerade diesen Leute unterstelle ich mal, dass sie ein besonderes Verantwortungsgefühl für ihre Mitmenschen haben. Warum dann nicht auch am Lenker?

Den schlimmsten Auswuchs dieses schon vorsätzlich fahrlässigen Verhaltens erlebe ich aber fast jeden Morgen beim Weg zur Arbeit. Dazu muss ich die Örtlichkeit ein wenig erklären:

Ich fahre über eine Bundesstraße, die unter anderem einen Ort ziemlich genau in der Mitte durchschneidet. Die Örtlichkeiten lassen es zu, dass ich an dieser Stelle 70 fahren darf. Rechts neben der Bundesstraße verläuft eine Bahnlinie, dann kommt eine Anwohnerstraße, die zuerst ein Einfamilienhausgebiet anfährt und dann als eine Art Sackgasse endet. In dieser Anwohnerstraße gilt Tempo 30. Bundesstraße, Bahnlinie und Anwohnerstraße verlaufen exakt parallel, man kann also alles gut einsehen. Und sehr häufig erlebe ich nun, wenn ich mit 70 über die Bundesstraße fahre, dass ich von Fahrzeugen auf der Anwohnerstraße überholt werde. Das heißt also, sie fahren durch ein Einfamilienhausgebiet mehr als 40 Kilometer pro Stunde zu schnell.

Das wirklich Verwerfliche daran ist nun folgendes: Die Anwohnerstraße endet ja als Sackgasse, und am Ende der Sackgasse befindet sich eine Wohneinrichtung für geistig und körperlich behinderte Menschen. Und die Autos, die da so fern jeder Verkehrsregel durchbrettern, sind Behindertentransporte, oft genug voll besetzt...

Und dafür habe ich nun überhaupt gar kein Verständnis mehr. Ja mehr noch: Wer so fährt, mit besonders Schutzbedürftigen an Bord, der hat meiner Meinung nach überhaupt keinen Führerschein verdient.

Kommentare:

Blue.Miracle hat gesagt…

Mich regt auch sehr vieles auf.. Ich fühle mich beim Autofahren irgendwie unter Druck gesetzt. Ich fahre 50, aber die hinten dran drängen immer so... Dann kommt ne Baustelle-30 oder sonstwas, ich fahre 30, und die hinter mir machennoch mehr den Eindruck, als würde ich völlig zu unrecht nun so "langsam" fahren. Da ich aber noch in der Probezeit bin, und diese Geschwindigkeitsbegrenzungen auch für Sinnvoll halte, fahre ich natürlich weiter langsam.. Immerhin gehts bei mir schneller als bei Leuten ohne Probezeit, dass ich in die nachschulung muss...

Tipps für mich?

Liebe Grüße

Goroth hat gesagt…

Hallo, auch ich habe den Eindruck, dass immer mehr Idioten auf der Strasse sind. Und dann soll der Führerschein mit 16 (oder war es 17?) kommen... nein danke.
Klar ist es ärgerlich, wenn der Vordermann etwas langsam fährt. Aber solange er sich an die erlaubte Höchstgeschwindigeit hält, habe ich keinen Grund zu meckern! Im Gegenteil: Ich müsste mich über mich selber aufregen weil ich schneller fahren will ... etwas schizophren, aber ich denke ihr versteht mich.

Blue.Miracle hat gesagt…

Ich verstehe es sehr gut. Ich versuche dann immer irgendwie ruhig zu bleiben aber der druck den die nachfahrer aufbauen schwindet dennoch nie so richtig :(

Steve Wagner hat gesagt…

Das ist einer der Gründe warum Menschen keine Autos fahren sollten. Computer sind deutlich geeigneter dafür. Die Fahren sicher, effizient und man kommt trotzdem schneller ans Ziel.

Ich denke das es irgendwann in der Zukunft ein Gesetzt geben wird welches dem Menschen das Autofahren verbietet. Es ist einfach zu gefährlich und zu ineffizient. Das mag noch 100 Jahre dauern. Aber das wird kommen.

SylviaS hat gesagt…

blue ich verstehe genau was du meinst...dieser druck der von "hinten" aufgebaut wird, ist ungesund und bescheuert von den verursachern.
letztes...100 auf einer waldstraße außerhalb der ortschaft...ich wurde überholt, nachdem lichthupe UND hupe benutzt wurde...schweißnasse hände und keine möglichkeit die nummer zu notieren, weil ich vor schiss die augen nur auf der straße hatte...

aber um zu erik zurückzukommen: dieses phänomen der permanenten verkehrsübertretungen von pflegediensten usw -- das gibts auch hier bei uns. da guckt man schon doof, wenn ein entgegenkommendes miniauto quer über die straße pfeift und auf den gehweg rechts quer parkt...und das argument zeitdruck ist für mich keins.

Björn Schröbel hat gesagt…

Ich stimme dem völlig zu, mir fallen auch oft kleine Pflegedienstfahrzeuge auf, welche völlig ohne Rücksicht auf Verluste fahren...man sollte da durchaus mehr erwarten können.

Aber generell stelle ich einen Hang zur Ignorierung von Tempolimits fest. Wenn ich auf dem Weg ins Büro mitten in der Bürostadt mit 30 fahre, da hier eben 30 ist und es viele Fußgänger gibt, scheint diese Tatsache aber sonst wohl für keinen anderen von Interesse zu sein.

Fehlt bloß noch man wird von den Ordnungshütern als Hindernis aus dem Verkehr gezogen...

In diesem Sinne

LG Björn

:-)