Dienstag, 30. Oktober 2012

Ich war als Kunde König

In einem Hotel genieße ich besonders die Fürsorge der Angestellten. Das klingt jetzt vielleicht ein bissel dekadent, aber ich mag es, mich einmal rundum bedienen zu lassen. Das Zimmer sauber machen zu lassen, beim Essen bedient zu werden, sozusagen jeden Wunsch von den Augen abgelesen zu bekommen - ich finde das angenehm und honoriere dann auch die Bemühungen der Mitarbeiter. Ich muss sagen, dass das Hotel in Güstrow, in dem ich das vergangene Wochenende verbrachte, dafür ein leuchtendes Beispiel war.

Das ganze Haus war sauber, gediegen, stilvoll. Die Zimmer waren groß - wer die Schlafbuchten in den Touristensilos mediterraner Urlaubsländer oder in normalen Hotels kennt, kann sie mal zwei nehmen, dann weiß er, wie bequem es war. Und die Angestellten waren schlicht und simpel gesagt fantastisch. Nett, freundlich, zuvorkommend, aber niemals devot, dafür kompetent und bemüht. Das bemerkte man vor allem im Restaurant.

Es waren, so mein Eindruck, für die Größe des Restaurants erstaunlich viele Bedienungskräfte unterwegs (ich scheue mich, den Begriff "Kellnerin" zu verwenden; er wird den Damen nicht gerecht). Kaum hatte man das Restaurant betreten, wurde man sofort begrüßt und zu einem freien bzw. dem bestellten Tisch geleitet. Freundlichkeit versteht sich von selbst, dazu kam eine besondere Schnelligkeit. Getränke wurden umgehend kredenzt, auf kein Essen hat man länger als knapp zehn Minuten warten müssen.

Nur ein Beispiel: Wenn ich am Morgen zum Frühstück kam und an unserem Tisch stand, fragte die Bedienung nach Kaffee bzw. einer frisch zu bereiteten Speise aus der Küche. Ich bestellte Rühreier, versorgte mich am Büfett mit Brötchen, Marmelade, O-Saft und Sekt (ja, den gab's da zum Frühstück!), und als ich zum Tisch zurück kam, standen nicht nur der Kaffee, sondern auch die Eier bereits dampfend frisch auf dem Tisch. Benutztes Geschirr wurde umgehend abgeräumt, dafür dann die Morgenzeitung gebracht... So lässt es sich leben.

Die Krönung dieser Bedienkultur erlebte ich dort aber bei einem Abendessen. Wie gewohnt waren unsere Speisen schnell, lecker und heiß aufgetischt worden; wir ließen es uns schmecken. Eines dieser Essen war ein Medaillonspieß. Die junge Frau, die es bestellt hatte, zog den Spieß wie gewohnt aus dem Fleisch, als plötzlich eine freundliche Stimme an ihrem Ohr klang: "Darf ich Ihnen das abnehmen?" Vorsichtig wurde ihr der Spieß mit einer Serviette aus der Hand genommen, auf einem extra mitgeführtem Teller abgelegt und außer Sichtweite getragen. Allein das habe ich nicht oft in einem Restaurant erlebt.

Was diese kleine Episode wirklich bemerkenswert machte, war die Tatsache, dass der Spieß vom Chef selbst abgeräumt wurde. Also nicht Chefkellner oder Chef des Restaurants, nein, es war der Chef des Hotels, der Besitzer! Der Mann ließ es sich nicht nehmen, jeden Abend selbst nach dem Rechten zu sehen, mit den Gästen zu plaudern und dann auszuhelfen, wenn in seinen Augen - und damit nicht unbedingt in meinen - etwas im Ablauf stockte. Und das vor allem, ohne anschließend seine Angestellten anzumeckern, dass sie das nicht selber erledigten, wie ich es auch schon erlebt habe.

Ganz ehrlich gesagt: Ich habe mich da sauwohl gefühlt.

Kommentare:

Jessi hat gesagt…

wow, so will man natürlich immer behandelt werden :D

SylviaS hat gesagt…

jetzt noch der name des hotels :) dann gib ihm noch die 5 bewertungssternchen die es auch verdient !

da sklingt wirklich sehr nach einem lohnenswerten ziel - umsorgt zu werden und gut unterzukommen ist heutzutage wirklich eine seltenheit... schön das du eine schöne zeit hattest :)

Sebastian hat gesagt…

Toller Bericht von einem tollen Hotel, allerdings fehlt wirklich der Name, für den vielleicht nicht ganz unnachvollziehbaren Wunsch, sich dort auch mal verwöhnen zu lassen.

RoM hat gesagt…

Ein Service wie dieser, dem Gast gegenüber, ist ein Kontrapunkt gegen gern gelebte Geiz-Geilheit oder Flatrate-Philosophie. Ein Merkmal von kultureller Zivilisation bleibt die Ehrung des Gastes wie (!) des Gastgebers. Arroganz (auf beiden Seiten) läßt mich dezent hochköcheln.