Montag, 3. September 2012

Wenn einer eine Reise tut

Ich bin heute zum dritten Mal mit Bussen und Bahnen (besser gesagt mit Bahnen und Straßenbahnen) nach Potsdam zu einer Weiterbildung gefahren. Ich hatte das ja schon erwähnt, weil es einfach bequemer ist und die Nerven mehr schont als mit dem Auto (siehe hier). Zeit verliere ich dabei eigentlich auch nicht. Eigentlich...

Diese Fahrten sind für mich als eingefleischten und überzeugten Autofahrer immer noch etwas Besonderes, ganz im Gegenteil zu den täglichen Pendlern, die das kennen. Insofern achte ich ganz besonders auf Störungen und Verspätungen, die andere wohl nicht mal mehr registrieren. So kann ich inzwischen konstatieren: Drei Mal gefahren, drei Mal gab es Probleme. Heute Morgen zum Beispiel.

Dabei fing alles gut an. Die Bimmelbahn nach Brandenburg, wo ich umsteigen muss, war pünktlich. Ich fand einen Sitzplatz, was im Zug um sechs Uhr morgens nicht selbstverständlich ist. Und bis kurz vor meinem Zwischenziel ging auch alles gut. Doch auf dem vorletzten Bahnhof ereignete sich folgendes: Der Zug hielt, der Zugführer rief umgehend den Zugbegleiter nach vorn, und kurz danach kam die Durchsage: "Werte Reisende, aufgrund eines medizinisches Notfalls verzögert sich unsere Abfahrt um ... äh, unbestimmte Zeit."

Die ersten Mitreisenden verloren umgehend die Nerven und stiegen aus in der Hoffnung, vielleicht einen Bus oder eine Straßenbahn zum Hauptbahnhof zu ergattern. Ich blieb sitzen, nur leicht beunruhigt, weil mein Anschlusszug erst eine halbe Stunde später fuhr. Und tatsächlich kam nur kurz darauf der Rettungswagen, kurvte eine kleine Weile um den Bahnhof auf der Suche nach einem bequemen Zufahrtsweg, und dann stürmten die Sanitäter den Waggon. Besser gesagt, sie gingen ruhig und kontrolliert, vom Scheitel bis zur Sohle Kompetenz ausstrahlend. Noch mal fünf Minuten später kam auch noch der Notarztwagen.

Es war interessant zu beobachten, wie viele Mitreisende diesen außerplanmäßigen Halt für eine Raucherpause auf dem Bahnsteig nutzten. Auffällig war, dass sie ihr Interesse dabei übereinstimmend in eine Richtung lenkten. Dass es die Richtung war, in die die Sanitäter gingen, muss Zufall gewesen sein. Jedenfalls konnten sie alle die Patientin genau betrachten: Ein junges Mädel, dass offenbar aus den Latschen gekippt war (fragt mich nicht warum...).

Zum Glück war dieser außerplanmäßige Halt nicht so lange, dass ich meinen Anschlusszug verpasste. Dazu kam aber auch noch, dass andere Anschlusszüge auf meine Bimmelbahn warteten, sodass sich der komplette Fahrplan nach hinten verschob - und damit auch die Abfahrtzeit meines Zuges. Und knapp rollte er dann mit zehn Minuten Verspätung ab, kündigte der Zugführer Tiere auf den Gleisen an, was natürlich zu weiteren Verspätungen führte.

Nun, immerhin kam ich immer noch pünktlich zu meinem Termin. Und wenn das so weiter geht mit Pleiten, Pech und Pannen, dann verstehe ich wirklich, warum die regelmäßigen Pendler bei 15 Minuten Verspätung nicht mal mit den Augenbrauen zucken. Zur Ehrenrettung der Bahn muss ich aber sagen, dass die Behinderungen, die ich bisher erlebte, nicht durch sie selber verursacht wurden, sondern von anderen. Die Weiterbildung dauert aber noch eineinhalb Jahre - ich habe also viel Zeit, mich daran zu gewöhnen.

Kommentare:

RoM hat gesagt…

Hoffen wir einmal, daß das Mädel nur nix gefrühstückt und sich ihr Kreislauf deshalb verabschiedet hat.
Amüsant finde ich in solchen Fällen immer die menschliche Neugier. Immerhin wurde nur eine Fluppe vorgeschoben - nicht etwa das Foto-Handy gezückt.

Am besten kreuzt Du die erste planmäßige Fahrt im Kalender an. ;-)

Erik Nagel hat gesagt…

Das werde ich sicherlich tun. Und ich werde hier auch davon berichten, versprochen. :-)