Mittwoch, 12. September 2012

Dienstleistungs-Ritual

Heute Morgen war der Schornsteinfeger bei mir. Das läuft immer wie ein Länderspiel, wie man so schön sagt, fast schon rituell. Immer eine Woche vorher finde ich im Briefkasten die Benachrichtigung, wann er kommen wird - wochentags zwischen 11.00 und 13.00 Uhr (oder so, auf jeden Fall arbeitnehmerunfreundlich). Außerdem eine Telefonnummer, um den Termin zu verschieben, was ich dann einen oder zwei Tage später auch tue. Wir einigen uns dann immer auf 6.30 Uhr (übrigens finde ich das schon faszinierend: Welcher Dienstleister kommt schon um 6.30 Uhr morgens?).

Der Mann ist immer super-pünktlich. Er arbeitet sehr präzise, schnell und sauber. Er weiß auch immer ganz genau, was wo bei mir zu tun ist: Welchen Schornstein er durch das Haus über den Dachboden erreicht und welchen er über eine Leiter über die Garage und eine kleine Dachluke. Jedes Mal nimmt er ohne großes Überlegen das richtige Werkzeug mit und lässt den Rest einfach stehen. Ein Irrtum wäre ärgerlich. Der Weg, um das richtige Werkzeug zu holen, wäre beide Male recht lang und vor allem auch sehr umständlich. Aber das passiert nicht.

Auch die Kontrolle des Heizkessels funktioniert immer ganz schnell. Die Messung dauert nur wenige Minuten, am längsten dauert da beinahe schon das Aufkleben des Prüfsiegels. Das letzte, was der Mann tut, ist den abgeputzten Ruß aus den Schornsteinen zu holen, was er von außen durch spezielle Klappen am Boden der Schornsteine tut. Dazu muss ich nicht einmal mehr mitkommen: Er weiß genau, wo er dafür im Garten hin muss und wie er die Klappen am besten erreicht. Danach lässt er sich selber vom Grundstück, ohne mich noch einmal zu stören. Die ganze Aktion dauert nie länger als 20 Minuten und läuft wie gesagt wie am Schnürchen.

Es gibt sogar noch ein besonderes Ritual. Wie gesagt, der Schornsteinfeger kennt sich bei mir sehr gut aus (was ich faszinierend finde, bei der Anzahl der Häuser, die er so besucht). Er weiß ganz genau, was wo bei mir ist und wie er dorthin kommt, ohne sich etwas von mir zeigen lassen zu müssen. Mit einer Ausnahme: Jedes Mal, JEDES MAL sucht er die gesetzlich vorgeschriebene Lüftungsöffnung im Heizungsraum. Jedes Mal warte ich darauf, wie er sucht, jedes Mal fragt er irgendwann, wo sie ist, jedes Mal zeige ich dann in die gleiche Ecke, jedes Mal sagt er: "Stimmt."

Genau so lief es auch heute Morgen ab. Mir würde was fehlen, wenn er sie sofort entdecken würde.

1 Kommentar:

SylviaS hat gesagt…

putzig ^^
bastel dir doch mal für die nächste wartung ein pappschild mit einem roten pfeil - das gesicht würd ich dann knipsen und hier einstellen XD

PS: mein mann rückt zur heizungwartung auch schon mal halb 7 zum kunden aus...arbeitenehmerfreundlich halt ^^

lg socke