Sonntag, 23. September 2012

Ein Besuch beim Herrn von Ribbeck

Schloss Ribbeck (© Erik Nagel)
Fragen nach meinem Heimatort bringen mich oft in die Bredouille. Von dem Ort, in dem ich lebe, hat ab 50 Kilometer Entfernung kaum jemand mal was gehört (ganz abgesehen davon, dass es mindestens drei gleichnamige Orte gibt), und auch die beiden nächstgrößeren Städte helfen nicht wirklich weiter. Am besten fahre ich noch mit der Aussage: "Ich wohne fast genau in der Mitte zwischen Berlin und Magdeburg."

Ganz anders ist die Sache mit meinem Heimat-Landkreis bzw. dem Nummernschild an meinem Auto. Werde ich gefragt, was HVL bedeutet, und ich antworte: "Havelland", dann hellen sich die Gesichter meiner Gegenüber fast immer sofort auf, und irgendeiner fängt dann garantiert gleich an: "Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland..." Wenn ich dann noch erzähle, dass oft in Ribbeck bin und den heutigen Herrn von Ribbeck sogar kenne (und er mich auch...), dann ernte ich vielfach sogar ungläubiges Staunen. Jedenfalls habe ich nun letztens meine Eltern, die mich besuchten, eingeladen und bin mit ihnen nach Ribbeck gefahren.

Das Dörfchen Ribbeck erscheint heute kaum aufregender als zu Zeiten Fontanes, wenn man auf der Bundesstraße 5 durchfährt. Man muss schon abbiegen, um das kulturelle Zentrum zu finden. Schwer ist das nicht, es ist alles ausgeschildert. Problematisch wird es dann nur, wenn man den Wegweisern zum Schloss Ribbeck folgt und dort angekommen feststellt, dass es kaum Parkplätze in direkter Nähe gibt. Das heißt, es gibt zwar genug Parkmöglichkeiten, doch zumeist ist dort das Parken verboten, und da die Anwohner - nicht zu Unrecht - über die vielen Falsch- und Ausfahrt-Zu- und Quer-über-den-Rasen-Wild-Parker erbost sind, kontrolliert das Ordnungsamt sehr gerne und sehr erfolgreich auch am Sonntag. Öffentliche Parkplätze gibt es zwar auch genug, aber die sind eben ein paar Minuten Fußmarsch vom Ortszentrum entfernt.

Der Beweis: Hier war die Birne. (© Erik Nagel)
Hat man dann das Zentrum erreicht, fragt jeder sofort nach DEM Birnbaum. DEN gibt's natürlich nicht mehr, was da so schön an der Kirche steht und nur noch oben Birnen trägt, wo der Tourist ohne Leiter nicht mehr heran kommt, ist der Enkel oder sogar Urenkel des Ribbeckschen Bäumchens. Den Baumstumpf des echten bewahrt man übrigens in der Kirche auf; sozusagen in der Gruft... Vis-a-Vis steht das Schloss Ribbeck, wobei sich Kenner bei diesem durchaus offiziell benutzten Namen grauseln. "Es ist ein Herrenhaus", granteln die Denkmalschützer gern, aber egal. Ein schmucker Anblick ist es allemal, nachdem es in den vergangenen Jahren für viel Geld saniert wurde - 40 Jahre Missbrauch als Altersheim hatten unübersehbare Spuren hinterlassen, die nun aber fast alle verschwunden sind. Lediglich ein "sozialistisches" Wandbild im Inneren erinnert an diese Episode. Im "Schlosspark", wenn man jetzt so will, stehen übrigens 16 Birnbäume - für jedes Bundesland eins. Und auch im Kirchgarten hat man jede Menge Birnbäume gepflanzt.

Man kommt nicht rum um die Birne in Ribbeck. In den Cafés und Restaurants gibt's natürlich Birnenkuchen, der Nachfahre des Herrn von Ribbeck - der nicht im Schloss lebt - brennt Birnen-Essig (Schnaps darf er wohl aus lebensmittelrechtlichen Gründen nicht), der Schlosskoch macht Birnenpralinen... Wir ließen es uns also gut gehen bei unserem Besuch in Ribbeck. Und viele, viele andere auch - der Ort war voll, und der Ordnungsdienst machte gute Kasse. Die Bedienung in der so genannten "Alten Schule" war so beschäftigt, dass sie das wirklich sehr interessante Ausstellungs-Klassenzimmer nicht öffnen konnten, was meine Eltern - beides Lehrer im Ruhestand - doch etwas ärgerte. Auch das "Waschhaus", entgegen dem Namen ein seeehr gutes Café mit seeehr gutem Kuchen, war überfüllt. Selbst im Schlossrestaurant, das aufgrund der Preise und des Namens das Fußvolk nicht gerade wie Magneten anzieht, war es voll, jedenfalls draußen (drinnen findet man immer einen Tisch, aber wer will schon bei strahlendem Sonnenschein drinnen sitzen?). Aber wir fanden auch im Garten einen Platz und ließen uns den Kaffee und den Birnenkuchen (was sonst?) schmecken.

Alles in allem war es ein schöner Ausflug, bei dem zum Glück auch das Wetter mehr als mitspielte. Besuche werde ich aber in Zukunft, wenn es sich machen lässt, nicht mehr am Wochenende planen. Unter der Woche ist es erheblich entspannter in Ribbeck.

Das Schloss von vorn. (© Erik Nagel)

1 Kommentar:

Janni Aroha hat gesagt…

HVL <3
Wir haben heute auch immer noch unsere Nummernschilder, welche bei uns im Partyraum ehrenwürdig an der Wand hängen!

Wie ich meine Heimat vermisse....

lG Blue