Sonntag, 16. September 2012

Musik, die mich atemlos macht - "Die Pinien von Rom"

Eine der schwierigsten Aufgaben des Bildungssystem besteht für mich darin, bestimmte Stoffe zu vermitteln, für die sich Schüler wenig bis gar nicht interessieren. Literatur zum Beispiel, Kunst oder Musik. Moderne Inhalte spielen soweit ich das überblicke kaum eine Rolle, dafür aber Klassiker: Schiller, Goethe, Shakespeare, Rembrandt, Monet, Picasso, Mozart, Schubert, Brahms... Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Ich halte es zwar für wichtig, dass diese Stoffe behandelt werden, aber es liegt auch am Lehrer selber, ob es ihm gelingt, seine Schüler wenigstens ein bisschen dafür zu begeistern oder ob er ihnen den Stoff so "einpaukt", dass sie das als Pflichtübung ansehen, die hoffentlich bald vorbei ist, sodass sie sich damit nicht mehr beschäftigen müssen.

Klassische Musik zum Beispiel... Wenn die in der Schule behandelt wird, haben die Schüler eigentlich was ganz anderes im Kopf. Ich erinnere mich an meine eigene Schulzeit: Gegen ZZ Top, Madonna, Genesis, Rolling Stones, FGTH, Pink Floyd und so weiter hatten Schumann, Bach, Händel, Dvorak, Liszt, Wagner und andere kaum eine Chance. Und die Lehrer haben es nur äußerst bedingt geschafft, Begeisterung für die Klassiker zu wecken oder wenigstens etwas Verständnis dafür zu erzeugen. Das führte dann zum Beispiel zu so skurrilen Momenten, dass wir zwar alle wussten, dass die Erkennungsmelodie des deutschen Wehrmachtsberichtes im zweiten Weltkrieg aus Liszts "Les Préludes" stammte und die Pauke beim BBC-Radio für die von Deutschen besetzten Gebiete mit dem Auftakt von Beethovens Fünfter gleichgesetzt wurde (obwohl eigentlich das Morsezeichen für "V" gleich "Victory" gemeint war), wir aber abgesehen von diesen paar Takten nichts über die Werke wussten.

Dennoch: Dass wir überhaupt Klassik durchnahmen, brachte zumindest den Erkenntnisgewinn, dass es vor Folk, Rock, Blues, Heavy Metal, Synthipop und so weiter noch andere Musik gab. Und zumindest ich für meinen Teil stelle fest, dass ich mich inzwischen durchaus für manch klassische Musik begeistern kann, wenn auch ziemlich selektiv. Mit Spielereien wie von Mozart, Liszt, Elgar oder Schumann kann ich wenig anfangen, es muss schon krachen wie bei Beethoven. Geholfen hat dabei, dass die klassische Musik oft an Stellen auftauchte, wo man sie nicht erwartete und wo sie dann ihre Wirkung entfaltete. Ich denke an Henry Maskes Boxauftritte, die er anfangs mit "O Fortuna" aus Carl Orff's "Carmina Burana" einmarschierte, oder Stanley Kubricks "2001", in dem Raumschiffe zu Walzermusik durch das All tanzten.

Manch klassisches Musikstück entfaltet dabei eine solche Wirkung auf mich, wie es kaum ein modernes Lied vermag. Und deshalb möchte ich hier einmal ein solches Musikstück vorstellen, dass defintiv zu meinen liebsten klassischen Werken gehört. Wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob man es "Klassik" nennen kann - es stammt aus dem Jahre 1924. Egal. Es hat für mich alle Merkmale, die ich mit Klassik verbinde, und es raubt mir jedes Mal beim Anhören den Atem. Oder um es modern auszudrücken: ich find's einfach nur saugeil! Es handelt sich um den vierten Satz "I Pini della Via Appia" aus Ottorino Respighis sinfonischer Dichtung "Pini di Roma" (Filmkenner werden bemerken, dass dieses Stück im Disney-Zeichentrickfilm "Fantasia 2000" auftaucht), gespielt vom Radio Sinfonieorchester Stuttgart und dirigiert von Georges Pretre. Ich hoffe, ihr findet es auch gut - ich jedenfalls kenne nur wenige Musikstücke, die so unter die Haut gehen.


Kommentare:

Nova hat gesagt…

Mich kannst du gerade hier mit Gänsehaut sitzen sehen^^.

Erst einmal muss ich dir zustimmen, dass ein Lehrfach nur so gut rübergebracht wird wie es der Lehrer vermittelt. Das ist mir schon vor (oh jeh, lang, lang ist es her) klar geworden als ich von anderen Schülern hören musste dass sie Geschichte total langweilig fänden ;-)

Im Musikunterricht neben den Volksliedern (Wandern ist des Müllers Lust usw.) auch an Klassik herangeführt, begleitet mich diese immer wieder. Ich mag Klassik, so empfinde ich sie für mich als Entspannung pur, und es können einige Bilder vor meinem geistigen Auge ablaufen^^

Ein weiteres Stück welches mir immer sofort eine Gänsehaut beschert ist der Gefangenenchor aus Nabucco von Verdi.

Danke dir jedenfalls für die schöne Einstimmung in den Sonntag und herzliche Grüße

Nova

RoM hat gesagt…

Mit meiner musischen Bildung steht es nicht wirklich sonderlich. So blieb mir das Notenlesen ein mythisches Geheimnis, um gesängliche Darbietungen in der Musikstunde (1x pro Woche) drückte ich mich so gut es ging und ich war stets beruhigt, wenn Komponisten-Vitae oder Instrumente das Thema bildeten.

Ich bevorzuge harmonisch angelegte Musik, krache demnach unwillkürlich an die Wand alsbald ich Zwölftonmusik oder Free Jazz erhorche. Bei Seichtigkeiten nicht minder.

Geprägt wurde ich intensiv durch die Musik in Filmen. Eine Passage aus Carmina Burana wirkt so in 'Excalibur' wie ein Hammerschlag.

Es darf also nicht verwundern, wenn mein Lieblingskomponist Thomas Newman heißt...

Erik Nagel hat gesagt…

Ja, Carmina Burana in "Excalibur" kam so gut damals! Wagner kam in dem Film aber auch vor ("Götterdämmmerung", wenn ich jetzt nicht irre...). Das was ich von Newman kenne fand ich sehr gut, aber auch wenn es Mainstream ist, bevorzuge Goldsmith, Horner, Shore und vor allem Alan Silvestri. Hauptsache aber - wie du schreibst - harmonisch und sinfonisch.

Ein verdammt guter Film wurde einmal vom Soundtrack völlig versaut - "Ladyhawke"...