Mittwoch, 29. Februar 2012

Ein kluger Spruch

Ian Anderson
Was hat "Jethro Tull"-Frontmann Ian Anderson mit Potsdam und Preußen zu tun? Nun, Anderson gilt ja als derjenige, der die Querflöte in die Rockmusik integrierte. Ein anderer begeisterter Querflötenspieler war ja Friedrich II., gemeinhin als der "Alte Fritz" bekannt. Dessen 300. Geburtstag feiern die Brandenburger 2012 landauf, landab. Und da Fritz seinerseits Johann Sebastian Bach ziemlich bewunderte und auch traf, andererseits Anderson mit "Jethro Tull" die "Bourré" aus Bachs Suite für Laute in e-Moll auf dem Album "Stand up" adaptierte, kann man da doch schon eine wenn auch etwas gekünstelte Beziehung herstellen.

Eben aus dieser Beziehung heraus wurde allerdings nun wirklich ein Konzert in Potsdam organisiert, das kürzlich stattfand. Ian Anderson mit seiner Band (also praktisch "Jethro Tull") musizierte gemeinsam mit dem Filmorchester Babelsberg, spielte dabei das eine oder andere klassische Stück und ansonsten die Klassiker von "Jethro Tull". Ich selbst hab's nicht live erlebt - ich finde die Musik ganz interessant, aber nicht so sehr, dass ich extra dafür nach Potsdam fahren würde - hab's aber in der Zeitung gelesen und musste ob der Beziehung Anderson - Alter Fritz doch schon etwas schmunzeln.

In dem Zeitungsbericht wurde nun aber Anderson mit einem Satz zitiert, den ich äußerst interessant fand. Ian Anderson stammt ja aus einer Generation, die einige herausragende Musiker hervorgebracht hat. Von diesen unterscheidet sich er sich unter anderem dadurch, dass er eben noch lebt und auf der Bühne steht! Viele andere - Joplin, Hendrix, Moon... - haben sich mehr oder weniger gepflegt selbst unter die Erde gebracht. Getreu dem Motto "Live fast, love hard, die young". Anderson dagegen ist 64, hat zwei Kinder, treckt nach wie vor unermüdlich durch die Welt, spielt mal eben zum Beispiel zu Ehren des Alten Fritz' und engagiert sich leidenschaftlich in der Aufklärung zu Thrombose (sic!), was verständlich ist, da er in den 90er Jahren selber mal eine hatte und daran fast gestorben wäre.

Jedenfalls muss Anderson für den Zeitungsartikel auch zu dem Thema befragt worden sein, dass er eben noch quietschfidel abrocken kann, während andere aus seiner Zunft vielleicht berühmter und legendärer, aber eben auch tot sind. Er sagte den bemerkenswerten Satz: "Viele von uns sind jung gestorben, was sie aber nicht zu Helden, sondern zu dummen, toten Musikern macht."

Angesichts des Hypes, den es um die genannten Idole und aus neuerer Zeit um Elvis Presley, Kurt Cobain, Michael Jackson oder Whitney Houston gibt, und eingedenk der Tatsache, woran die meisten von ihnen sterben, lohnt es sich schon, darüber einmal etwas mehr nachzudenken.

Kommentare:

RoM hat gesagt…

In den späten Sechzigern war Droge ein verklärtes Mittel zur eigene Erleuchtung (wiewohl viele ähnliche Ideologien eher für Finsternis im Hirn Sorge trugen). Manche der Musiker knippsten sich damals das eigene Licht selber aus. Viele hatten aber das Glück noch rechtzeitig den richtigen Schalter zu finden. So ganz allein ist Ian Anderson nicht. Die Who, die Stones, Lou Reed leben und machen ihre Mucke. Ganz wie er.

Erik N. hat gesagt…

Wo du gerade die Stones erwähnst: Keith Richards hat sich aber ganz schön das Gehirn beschädigt mit Drogen und Alkohol. The Who waren sicherlich auch keine Chorproben (bei Lou Reed weiß ich es nicht). Tatsächlich kenne ich nur einen großen Musiker aus der Zeit, der mit Drogen nichts am Hut hatte. Frank Zappa schmiss sogar Leute aus seiner Band, wenn sie kifften oder schnupften...

RoM hat gesagt…

Stimmt fürwahr - die Angeführten erwähnte ich aus der Perspektive derjenigen, die noch rechtzeitig den Absprung schafften. Zumindest um am Leben zu bleiben (Keith).
Finde ich gut von Zappa.