Sonntag, 10. Juni 2012

Film-Kritiker ohne Ahnung

Es ist erschreckend, mit wie viel Inkompetenz die Mitarbeiter mancher Zeitungen unterwegs sind. Speziell in einem Gebiet, wo jeder meint, er könne das machen: Der Filmkritik. Anscheinend ist da die Überlegung ganz einfach: Ich gehe ins Kino, schaue eine Film, schreibe was darüber in die Zeitung - ich bin ein Filmkritiker. Gerade eben habe ich aber festgestellt, dass das oft nicht so ist, im Gegenteil: Der Möchtegern-Kritiker entpuppt sich nur zu oft als Schaumschläger ohne Ahnung.

Und zwar geht es mir in diesem Fall um den neuen Film von Jean Reno, "Kochen ist Chefsache". Französische Komödien sind ja derzeit "in", sodass dieser Film nun auch einige Beachtung in vielen Zeitungen bekommt. Und in meiner Tageszeitung zu Hause lässt sich der Schreiberling nun unter anderem darüber hinaus, dass Jean Reno, Frankreichs "Action Star", nun endlich auch eine Komödie spielt.

Hmm...

Keine Ahnung, ob der Schreiber nun Jean Reno und seine Filme kennt, aber als Action Star würde ich ihn niemals bezeichnen. Jason Statham ist ein Action Star. Jet Li ist ein Action Star. Arnold Schwarzenegger ist ein Action Star. Jean Reno dagegen ist ein Charakterschauspieler, der alle Genres spielen kann. Einfach mal eben so ins Action-Fach abgelegt zu werden, das kann wirklich nur von einem "Kritiker" kommen, dessen Filmhorizont recht begrenzt ist. Dass er zudem noch der Meinung ist, Jean Reno hat noch keine Komödien gespielt, das übersehe ich dabei mal: Wer so wenig Ahnung von Reno selber hat, dem könnte man diesen Komödien-Fauxpas ja als einmaligen Ausrutscher verzeihen.

Es ist aber kein einmaliger Ausrutscher, wie ich eben bemerken musste. In einer Illustrierten lese ich in einer anderen Besprechung zum gleichen Film folgenden Satz: "Jean Reno spielt zum ersten Mal in einer Komödie."

Hä? Weiß der Schreiber überhaupt, wovon er schreibt? Hat er sich überhaupt schon mal mit Jean Reno beschäftigt? Hat er überhaupt mal was gesehen von ihm? Sind "Rosannas letzter Wille", "French Kiss", "Die Besucher", "Der rosarote Panther", "Wasabi", "Zwei Irre und ein Schwein" und ein paar andere keine Komödien?

Aber das ist ja so bei Zeitungen: Ins Kino kann jeder gehen, und so glaubt jeder, er kann Filmkritiken schreiben (im Gegensatz zu Theaterkritiken, wo man vom Kritiker noch erwartet, dass er Ahnung vom Fach hat). Kein Wunder, dass diese "Kritiken" mittlerweile so schlecht geworden sind, dass ich keine mehr lese (oder nur noch von ganz wenigen Leuten). Es fällt zwar nur selten so sehr auf wie in diesem Fall, aber mehr denn je bin ich der Meinung, dass die meisten Filmkritiker in Zeitungen und Zeitschriften eigentlich nichts von Filmen, Schauspielern, Filmemachern und dem Filme verstehen. Dann aber trotzdem darüber zu schreiben, zu urteilen und zu bewerten, ohne davon Ahnung zu haben - das ist peinlich und unprofessionell...

Kommentare:

Enpunkt hat gesagt…

Harhar. Kritiker sind oftmals sehr schrecklich. Hundertprozentige Zustimmung!

RoM hat gesagt…

Gleichlautende Fehler bei Filmstart begleitenden Texten (sog. Kritiken) weisen in der Regel auf einen Fehler im Pressematerial hin. Nicht selten werden ganze Sätze/Passagen direkt übernommen. Was Wunder, wenn der textliche Beitrag möglichst wenig kosten darf/soll.
In puncto fachlicher Unbelecktheit kam mir in den letzen Jahren aber auch schon gut entlohnte Prominenz unter. Ein kleiner Privater brachte unseren Berufsjugendlichen als Filmeempfehler im Programm. Tenor "ich bin der Thomas und mit der Filmprominenz in den Staaten auf Du". Die Qualität der Hofberichterstattung einmal außen vor - aber gelegentlich fuhren dann schon kleine Ungenauigkeiten und dezente Hämmer auf. Sehr zu meinem persönlichen Amüsement.