Sonntag, 11. März 2012

Au revoir, Jean Giraud !

Gestern hat uns auch ein anderer großer Künstler verlassen hat, der unsere Fantasie beflügelte wie kaum ein anderer. Jean Giraud, besser bekannt als Moebius, ist in Paris im Alter von 73 Jahren verstorben. Der März 2012 hat uns bis jetzt nicht viel Gutes gebracht...

Moebius war ein Comic-Zeichner. Diese Aussage ist zwar richtig, aber auch nichtssagend und irgendwie verfehlt. Der Franzose war nämlich in dem Gebiet einer der größten und besten Künstler unserer Zeit. Vor allem seine futuristischen Geschichten, seine Science-Fiction-Stories gehören mit zum Besten, was das Genre jemals hervorgebracht hat. Sein unverwechselbarer Stil, der mit wenigen dünnen Strichen auskam und dabei so detailreich war wie kaum ein anderer, sind legendär. Ich würde sogar sagen, dass Moebius die Grenzen der Fantasie sprengte: Seine Zeichnungen waren für mich immer noch in einem Raum jenseits der Realität angesiedelt, wo alles möglich ist (klingt schwülstig, was? So fühle ich aber, wenn ich die Bilder sehe).

Mit Moebius verbinde ich vor allem eine der ersten Begegnungen, die ich überhaupt mit Science Fiction hatte. Ich war noch ein Kind, irgendwie Anfang der 80er Jahre, als ich im Fernsehen zum ersten Mal den Film "Die Herrscher der Zeit" ("Le Maitres du Temps") sah. Regie führte zwar jemand namens René Laloux, aber es ist ein typisches Moebius-Werk - allerdings mit dem wunderbaren Unterschied, dass es kindgerecht war. Es gab zwar einige recht verstörende Momente, wie mit diesen gesichtslosen Engelsgestalten, aber andererseits eine wunderschöne, spannende Geschichte mit einem für ein Kind zwar recht anspruchsvollen Finale, das ich aber doch verstanden habe.

Vor allem aber waren es die Bilder, die einem im Gedächtnis geblieben sind. Ich sehe heute noch dieses Raumschiff vor mir, das sich in einem drehenden Würfel mit glühenden Kanten bewegt. Diesen Planeten, auf dem Blüten im Wasser treiben und aus denen die kleinen Gnome kommen, die Gedanken lesen und sich verwandeln können. Ich erinnere mich eben an die gesichtslosen Engel und die unheimliche Stimmung um sie herum. Diese knorzigen Gestalten, die allenthalben zu sehen waren. Das alles eben in diesem besonderen Moebius-Stil, den man leicht immer wieder erkennen kann.

Natürlich hat Moebius noch viel mehr gemacht als nur diesen Film. Ich muss aber zugeben, dass ich davon nicht so viel kenne. Vor allem die großen Werke, derentwegen er so bekannt ist, kenne ich maximal nur auszugsweise. Das ist zwar schade, aber andererseits ist das Genre so groß und vielfältig, dass man nicht alles kennen kann. Zumindest Moebius sollte man aber doch schon etwas näher betrachten, vor allem wenn man selbst behauptet, sich dafür zu interessieren. Dann erfährt man eben auch, dass er im Filmgeschäft aktiv war und für das interessante Aussehen so manchen visuell außergewöhnlichen Filmes verantwortlich war: "Tron", "Das fünfte Element" oder "Abyss", um nur einige zu nennen. Auch an jenem großartigen "Sci-Fi-Fantasy-Comic"-Werk namens "Heavy Metal" war er - natürlich - beteiligt, wenngleich im Abspann ungenannt.

In erster Linie war er aber Comic-Zeichner mit einem Hang für überbordende Fantasie und sperrige Geschichten. So sperrig, dass er sich die Stories gerne von anderen schreiben ließ und sich dafür ganz aufs Zeichnen konzentrierte. Als einer der ersten konzipierte er Stories, die in einem Heft nicht zu Ende geführt wurden und sicher über mehrere erstreckten. Es gibt Alben von ihm, die ganz ohne Sprechblasen auskommen und lediglich am Ende ein wenig Dialog aufweisen. Er löste sich auch gerne von den üblichen Panels und malte Panoramen, die über zwei Seiten reichten.

Der SPIEGEL schreibt in seinem Nachruf auf Jean Giraud aka Moebius, dass er mit wenigen Strichen Welten kreieren konnte, die selbst in kleinen Heften unendlich groß erschienen: "Für Menschen ohne Fantasie war Giraud nichts. Für alle anderen war er ein Genie."


1 Kommentar:

RoM hat gesagt…

Moebius hat in der Tat einzigartige, geradezu verstörende Welten erschaffen. Wo Giger mit seinen Monstrositäten jenseits des Realen bleibt, trifft Moebius mitten ins Leben.
Von ihm sind auch die Raumanzüge in 'Alien'