Donnerstag, 27. Oktober 2011

"Der Einsame der Zeit" meldet sich mal wieder

Unser Atlan...
Heute Morgen hat mich ein Freund auf einen neuen Youtube-Film aufmerksam gemacht. Hans-Joachim Thunack hat einen neuen - "ultimativen" - Trailer zu seinem "epochalen" Werk "Der Einsame der Zeit" eingestellt. Das ist eine bemerkenswerte Sache, in mehrerer Hinsicht. Der Film an sich ist etwas ganz Besonderes, der Filmemacher auch, und der Trailer sowieso. Zum einen, weil es der vierte oder fünfte ist, den allein ich kenne, zum anderen, weil er 47 Minuten lang ist. Das haben manche Filme nicht, und es lässt erahnen, wie lang der Film einmal werden wird.

Nur bin ich davon überzeugt, dass der Film niemals fertig werden wird.

Vielleicht sollte ich mal kurz was zum Film und zum Projekt selbst erklären (für die, die es nicht kennen). Den Trailer selber gibt's weiter unten.

1962 wurde mit Band 50 "Der Einsame der Zeit" eine der faszinierendsten Figuren der gesamten "Perry Rhodan"-Serie eingeführt, nämlich der Atlan. Ein Außerirdischer, der im Rhodanschen Universum seit gut zehntausend Jahren auf der Erde lebte und immer mal wieder in die Geschicke der von ihm "Barbaren" genannten Menschen eingreift. Der Atlan hat viele Fans sehr begeistert - nicht zuletzt diejenigen, die dann den Atlan Club Deutschland gründeten, in dem ich auch Mitglied bin.

Ein anderer dieser Faszinierten war bzw. ist Hans-Joachim Thunack. Der ging mit einigen Freunden sogar noch weiter. Bewaffnet mit einer Kamera fing er an, den Heftroman zu verfilmen. Mit unheimlich viel Enthusiasmus und Fantasie begann das Projekt, das Thunack die "werkgetreue Verfilmung" nennt, was bedeutet, dass er sich haarklein an den Roman hält. Komplette Wohnungen wurden umgeräumt, um Raumschiffzentralen, Teststände, U-Boote und andere futuristische Kulissen zu schaffen. In einer Sandgrube wurde der große Showdown gefilmt - ein Duell auf einem feurigen Wüstenplaneten, wobei die Protagonisten mit Milch aus Wasserpistolen aufeinander schossen. Eine immense Arbeit und eine anerkennenswerte Anstrengung, die 1966 begann - und bis heute leider nicht abgeschlossen ist.

Was immer bisher von dem Film zu sehen war, waren laut Thunack "Werkstattfassungen". Fertig wird er nämlich einfach nicht. Statt dessen begann er immer wieder neue Verbesserungen an seinem Werk. So wurde und wird mit der Zeit nachvertont und neu synchronisiert, charmante alte Realeffekte - ich kann mich an eine riesige Modellkulisse der Zukunftsstadt Terrania erinnern, deren 50er Jahre B-Movie-Charme nun offenbar Z-Movie-Computereffekten weichen musste - wurden durch neue Tricks ersetzt; wo immer er gerade in der Welt ist, dreht er neue Szenen, und in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen werden Trailer veröffentlicht, bei denen es dann heißt: Bald ist Premiere. Speziell letzteres verfolge ich persönlich seit 1999.

Ansonsten ist Thunack aber vor allem damit beschäftigt, diejenigen zu beschimpfen, die es wagen, seinen Film nicht zu mögen. Neben seinen unermüdlichen Bemühungen, den Film besser zu machen - ich habe meine eigene Meinung dazu, aber dazu später - haben nämlich vor allem der Verlag oder andere Fans, die ihn kritisieren, dran Schuld, dass der Film nicht fertig wird. Ich erspare mir Details, aber solche Aussprüche von ihm gibt's viele. (So hat zum Beispiel letztens der Perry-Rhodan-Redakteur Klaus Frick in seinem privaten XING-Account geschrieben, der Film "reißt mich nicht vom Hocker" oder so. Diesen Dialog veröffentlichte Thunack und wetterte wieder gegen den Verlag, der ja gegen ihn ist. Dass der Verlag, der im Besitz der Filmrechte ist und das Thunacksche Projekt, das ja wirklich nur als Fanfilm gestartet ist, sagen mir mal nur duldet, nun ziemlich genau darauf achtet, was Thunack damit anstellt - zum Beispiel Geld verdienen? - , verstehe ich zumindest ganz gut. Und wenn einer immer nur meckert, wie gemein doch der andere ist, dann hält sich die Begeisterung des anderen irgendwann auch in Grenzen - vorsichtig gesagt...).

Und so ist der Film bis heute nicht fertig - und wird es meiner Meinung nach auch nicht. Ich glaube das aus zwei Gründen: Zum einen wäre es in den 70er und meinetwegen auch noch in den 80er Jahren ein schöner Fan-Film geworden - aber heute nicht mehr! Es gibt zahlreiche Fanfilme, die qualitativ deutlich besser sind, da kommt Thunack heute nicht mehr ran. Auch der schon erwähnte 50er-Jahre-Charme geht durch seine permanenten Bemühungen, den Film mit neuen Tricks zu veredeln, flöten (ich will damit nicht sagen, dass diese Tricks schlecht sind - sie passen nur nicht zum Film!). Die enormen Anstrengungen, die mit der Entstehung verbunden waren und sind, will ich nicht leugnen- aber je länger es dauert, um so weniger passt meiner Meinung nach das Ergebnis zum Aufwand.

Der andere Grund ist, dass Thunack, sollte der Film endlich fertig werden, sich dann auch richtiger Kritik stellen muss. Bislang kann er nämlich immer sagen: Er ist ja noch nicht fertig! Die Möglichkeit hat er dann nicht mehr. Und auch wenn er immer mit dem großen Zuspruch prahlt, den seine Werkfassungen erfahren haben - ich kenne auch andere Meinungen (es mag ja sein, dass sich der im Trailer erwähnte Filmprofessor bei den Amateurfilmtagen Havelland lobend über den Film geäußert hat. Ich zumindest kann mich daran nicht erinnern, und ich war dabei. Den Vortrag Thunacks wiederum sahen sich glaube ich sieben Leute an - inklusive mir als Pressevertreter - und bei den meisten hatte ich den Verdacht, dass waren Leute, die er aus Berlin mitgebracht hatte). Auch bei einem Fan-Film muss es erlaubt sein zu sagen, das und das gefällt mir nicht. Die Arbeit, die drin steckt, will ja wirklich niemand schmälern. Aber wie schlecht er mit Kritik an an seinem Werk umgehen kann, habe zumindest ich oft genug erlebt. Und dass die Meinungen nicht besser werden, je länger er mit der Veröffentlichung wartet, damit muss man rechnen. Man reißt im 21. Jahrhundert nur schwer jemanden mit einem Film vom Hocker, der eigentlich aus den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts stammt. Da gibt's auch in der Fanszene mittlerweile viel besseres (zum Beispiel die vielen Star-Trek-Projekte, diverse "Lord of the Rings"-Filme und anderes mehr).

Und so wird - davon bin ich überzeugt - trotz gegenteiliger Äußerungen der Film wohl nie fertig werden, was ich schade finde. Ich würde ihn gerne mal ganz sehen - und am liebsten in der Urfassung. Aber das wird wohl ein Traum bleiben. Statt dessen werden wir weiterhin einen Trailer nach dem anderen sehen, können uns den Soundtrack anhören, den es gibt - der ist auch gut, aber eben auch schon wieder sehr altbacken - dann vielleicht noch das dazugehörende Video anschauen und sollten es vermeiden, dann zu sagen "Na ja, hätte man besser machen können" - weil dann Thunack wieder einmal über die bösen Widrigkeiten seiner Gegner schimpfen kann...

Und hier nun endlich der 47 Minuten (!) lange Trailer eines Filmes, den es wohl niemals fertig geben wird.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ziemlich negative Einstellung zu einem wirklich bemerkenswertem Projekt.
Den Frick Artikel hast Du wohl nicht verstanden oder wolltest es nicht, kann Tunacks Reaktion verstehen. Im Gegendatz zu Dir finden die meisten Fans die neu bearbeiteten Szenen sehr stimmig, sie passen sich dem gesamten Stil des Films an.

Erik N. hat gesagt…

Jetzt verkennst du mich aber... Die Leistung, die hinter dem Projekt steckt, verkenne ich keineswegs, im Gegenteil: Ich habe ja gesagt, ich würde den Film gerne mal sehen. Was ich negativ anmerke, ist die Tatsache, dass er wohl wirklich nie fertig werden wird und das Thunack damit kokettiert. Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen, und das lautet ganz einfach: Führt den kompletten Film auf! Schluss, aus, Ende.
Und wenn die meisten Fans die neu bearbeiteten Szenen gut finden, dann ist das auch okay - ich tue es nicht, und das ist meine ganz persönliche Meinung. Die muss weder richtig noch falsch sein, sondern es ist meine (ich weiß nicht, ob du die alten Szenen kennst, aber ich habe sie mal gesehen und fand sie einfach fantastisch und deutlich besser als die neuen...).
Im Übrigen kenne ich sowohl Thunack als auch Frick persönlich und glaube daher, mir ganz gut ein Bild über die beiden machen zu können. Und bei Thunack habe ich eben einfach den Eindruck, dass er recht schlecht mit Kritik umgehen kann...

Anonym hat gesagt…

Hallo, lese gerade hier durch Zufall Eure Discussion, sag mal hast Du die "neuen" Szenen überhaupt gesehen? Ich glaube nicht, denn die Computerszenen sind recht spärlich. Wieso soll der Macher des Fanfilms nicht mit Kritik umgehen können. Eigentlich kann man doch den Film noch gar nicht kritisieren, denn er ist nicht fertig. Außerdem ist es kein professioneller Film, man muß hier einfach andere Maßstäbe anlegen. Hast Du mal das Interview mit Prof. Gerling angeschaut? Der bescheinigt dem Film nämlich Qualitäten.Im Übrigen ist über den Film und speziell Thunack so viel Unsinn verbreitet worden, dass man manchmal wirklich nicht mehr weiß, wem man glauben soll. Die vielen Ausschnitte, würden schon reichen um einen Komplettfilm zusammen zu schneiden, also was spricht gegen eine Endfassung. Thunack hat eben wie er in seinem neuesten Trailer schreibt eine bestimmte Vorstellung und die will er umsetzen, spielt die Zeit dabei wirklich so eine große Rolle? Vor allem ist der Film vollkommen ohne jegliche finanzielle Hilfe entstanden. Übrigens habe ich noch nirgend gelesen dass Thunack dem Verlag in irgendeiner Weise eine Schuld zuspricht, dass der Film noch nicht fertig ist. Aber viele Fans sind der Meinung er hätte zumindest ein klein wenig moralischer Unterstützung verdient. Statt dessen kann Frick wo immer er auch auftaucht sich nicht zurück halten, das Projekt mies zu machen (ich habe es selbst gehört), selber bekommen die VPM Leute aber filmmäßig nichts gebacken.
Hätte Thuinack vor Geld damit zu verdienen, so wäre der Film schon lange fertig, dass ist wohl das stechendste Argument dagegen. Ihm gings nur um Perry Rhodan und den Beweis, es ist verfilmbar. Ich persönlich hätte schon längst alles hingeworfen an seiner Stelle.

Erik N. hat gesagt…

Ich könnte zu diesem Kommentar sagenhaft viel schreiben...

Ich schreibe nur eines: Er soll den Film nach mehr als 40 Jahren endlich fertig machen und zeigen, mehr will ich gar nicht. Aber ich bleibe bei meiner Meinung: Dazu wird es nie kommen!

Überrascht mich einfach, und ich bin der letzte, der meinen Irrtum eingestehen wird.

Anonym hat gesagt…

Hi Erik. ich bezweifle mal, dass Du Thunack (im Gegensatz zu mir) wirklich persönlich kennst. Ich habe selbst als Journalist vor einiger Zeit einen Artikel über das Projekt in einem österreichischen Printmedium veröffentlicht und bin selbst ausgebildeter Drehbuchautor.

Ich finde zum Beispiel, dass die Trickszenen gut zum restlichen Film passen, weil die dargestellten Roboter etc. im Stil an Filme der 50er/60er Jahre angelehnt sind. Ich kenne Achim (Thunack) wie gesagt tatsächlich persönlich und bin aktuell in Kontakt mit ihm (er ist jetzt die meiste Zeit in Wien). Es geht gar nicht darum, dass er ständig Verbesserungen einfügt und das Fertigstellen so künstlich in die Länge zieht, es ist nur schwierig ein so monumentales Werk ohne große finanzielle Mitteln fertig zu stellen, es gab immer wieder lange Zeiträume, wo aus verschiedenen Gründen das Projekt einfach brach gelegen ist. Wie Du schon vorher geschrieben hast, soll das ganze ja eine werkgetreue Verfilmung sein und das impliziert ja eine gewisse Vollständigkeit. Natürlich kennt man Szenen weglassen und aus dem vorhanden Material einen fertigen Film schneiden, aber das hätte dann wiederum wenig mit "werkgetreu" zu tun.

Ich kenne Achim auch als jemand, der durchaus selbstkritisch ist und selbst meint, er hätte manche Sachen heute anders gemacht. Man muss den Film (auch wenn er erst Jahrzehnte später fertig gestellt wird) als das sehen, was er ist: Ein Rhodan-Fanfilm aus den 60er Jahren (der Großteil des Films wurde ja auch in den 60er Jahren auf Film gedreht). Es sollte auch klar sein, dass jemand, der so viel Herzblut, Arbeit und Geld in ein Projekt gesteckt hat nicht unverwundbar gegen Kritik ist, zumal die auch in meinen Augen oft überzogen ist.

Ich wage einmal die Prognose, dass der Film noch 2012 Premiere feiern wird.

Anton Preinsack

Anonym hat gesagt…

In der Chinesischen Stadt Luzhou (Provinz Sichuan) ist am Donnerstag ein Sack Reis umgefallen. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf Parteikreise berichtete, neigte sich das 20-Kilo-Gebinde zunächst fast unmerklich, um dann plump umzukippen. Gefahr für die Bevölkerung bestand nach offiziellen Angaben zu keiner Zeit. "Wir haben schon lange mit einer solchen Situation gerechnet und waren vorbereitet", sagte der Vize-Direktor der Lebensmittelbehörde, Sheng Fui. Zeugen berichteten von einem fast geräuschlosen Ereignis.

Anonym hat gesagt…

Hier ist Atlan. Der Film ist gut, und mich gibt es wirklich!

Anonym hat gesagt…

ich verfolge das Thema auch schon einige Jahre und kann dem Erik nur voll und ganz zustimmen! Ich bin auch überzeugt, dass mehrere der vorstehenden Kommentare von HJT selbst verfasst wurden :-)
Es gibt einen Grund, den Erik nicht genannt hat, weshalb dieser Film wahrscheinlich niemals uraufgeführt werden wird:
HJT hat inzwischen jegliche Distanz zu diesem Film verloren und sieht ihn sozusagen als sein Lebenswerk, sein "Vermächtnis" an die Welt, - und er wird nie die Situation herbeiführen, dass eine Uraufführung diesen Prozess, der gewissermaßen sein "Leben" symbolisiert, beendet.
Die Eigenschaft des Films, "unvollendet" zu sein, ist inzwischen seine Bedeutendste, und eine Uraufführung würde ihn auf die banale Ebene aller anderen Filme herunter ziehen, die uraufgeführt - und dann irgendwann vergessen werden.
Allein die Ankündigung, dass es nach der Uraufführung keine weitere Aufführung geben wird, und deshalb seit Jahren Voranmeldungen gesammelt werden, ist für mich der Beweis, dass es nicht dazu kommen wird, - was ich schade finde, aber HJT hat seine Rolle in dem Film wohl zu sehr verinnerlicht - für Atlan spielt die Zeit keine Rolle...

Anonym hat gesagt…

M.O. Jelinski
Wenn ich etwas absolut nicht akzeptieren kann, sind es dummdreiste Kommentare von Personen, die selbst keinerlei vorzeigbare Leistung erbracht haben. Im Laufe meines Lebens bin ich sehr gut damit gefahren, Leute nach ihrer Leistung zu bewerten. Deshalb meine Hochachtung und Bewunderung für Hajo, auch wenn es "nur" ein "Fanfilm" ist. Und wenn ich etwas wirklich hasse, ist es die Verwendung von Begriffen wie "Amateurfilm", um einer Leistung absichlich jede Qualität im Vorfeld abzusprechen. "Amare" ist lateinisch/italienisch und heißt "lieben. Es bedeutet, dass jemand einen Film aus Liebe gemacht hat - das kann kaum eine der Hollywoodproduktionen für sich verbuchen. Solche Betrachtungen finde ich inzwischen enorm wichtig. Ich persönlich hätte mich allerdings nicht getraut, in so einem schwierigen Terrain, das von nur in der Anonymität mutigen Internet-Nerds verseucht ist, solch ein Film zu machen. Da haben selbst große Filmproduktionen ihre Probleme. Aber die haben wenigstens noch die kommerzielle Auswertung. Ich denke, ich kann mir diese Stellungnahme erlauben, denn ich habe eine ganze Reihe Independent-Produktionen auf die Beine gestellt, habe in allen Bereichen gearbeitet und ein Teil dieser Filme hat inzwischen viele Tausend internationale Fans in vielen Ländern von Japan bis USA und eine Menge Geld eingespielt. Aufgrund dieser Erfahrungen möchte ich Hajo meine absolute Anerkennung aussprechen. Ob einem ein Film geschmacklich zusagt, ist eine völlig andere Frage und muss ganz anders diskutiert werden. Inhaltlich und ideologisch habe ich mich über so viele Hollywoodfilme geärgert, da habe ich den Überblick verloren.In dieser Hinsicht waren mir die ehrlichen Szenefilme, geboren aus echtem Engagement, immer lieber.

homas Frick hat gesagt…

Thomas Frick da schließe ich mich vorbehaltlos an... dürfte ich nur einen Film auf die einsame Insel mitnehmen, würde Hajos Werk so manchen amtlichen Hollywoodstreifen hinter sich lassen... nämlich genau deshalb: er ist mit Liebe gemacht und das kommt in jeder Szene (die ich bisher kenne) rüber