Samstag, 3. November 2012

Musik, die mich umhaut (4) - "Into the West" von Annie Lennox

Ich glaube, die meisten Menschen haben den "Herrn der Ringe" von J.R.R. Tolkien nicht richtig verstanden. Ich bitte das nicht falsch zu verstehen, vielleicht irre ich mich ja auch, aber ich glaube, dass Tolkiens Intention mit dem Buch eine andere war, als eine abenteuerliche Geschichte um große Schlachten und mystische Artefakte zu schreiben. Wenn man neben dem "Herrn der Ringe" auch noch Tolkiens andere Werke, allen voran das "Silmarillion", intensiv liest und sich darauf einlässt, dann kommt man meiner Meinung nach zu folgendem Schluss: Tolkien schrieb keine Geschichte über magische Ringe, heldenhafte Menschen, großartige Schlachten gegen Orks und dergleichen mehr - er schrieb ausschlieplich über die Elben und vor allem über ihr langes Leiden in der sterblichen Welt. Alles andere ist nur Rahmenhandlung.

Das kommt natürlich allein im Buch "Der Herr der Ringe" oder gar im Film überhaupt nicht deutlich rüber; sie erscheinen auf den ersten Blick als hoch anspruchsvolle und intelligent geschriebene und verfilmte Abenteuergeschichte (was ja auch nicht falsch ist). Aber es gibt im Buch und im Film Momente, wo man zumindest gefühlsmäßig erkennen kann, worum es Tolkien ging. Der stärkste dieser Momente ist der Abspann vom dritten Teil der Verfilmung, "Die Rückkehr des Königs".

Annie Lennox singt "Into the West". Und es scheint sich auf Frodos Abschied und seine Reise nach Valinor zu beziehen. Aber nach meiner Meinung gilt das genau so auch bei den Elben und ihre langjährige Geschichte und ihre Trauer. Es gibt im Film irgendwo einen Moment, in dem ein Satz in Bezug auf Arwen fällt, der so auch auf das Grundthema des Liedes passt: Ermüdet oder ermattet von den Sorgen der Welt... Wer nicht nur den "Herrn der Ringe" gelesen hat, sondern eben auch das "Silmarillion", der wird dieses Lied vermutlich anders verstehen und intensiver empfinden, als wenn er nur den Film gesehen hätte. Wunderschön gesungen von der großartigen Annie Lennox, mit einem sehr traurigen, aber auch unglaublich tröstenden Text von Liebe und Hoffnung. Mich berührt es immer zutiefst...


Zudem habe ich zu diesem Lied auch noch eine sehr persönliche Beziehung. Es erinnert mich an einen der schönsten Momente in meinem Leben... Aber auch das ist eine Geschichte, die dann einmal endete. Von daher passt das Lied auch auf mich ganz gut.

Kommentare:

RoM hat gesagt…

Man/frau könnte Tolkiens Elben auch mit dem Guten im Schönen gleichsetzen. Ihr Verweilen auf Mittelerde als dem Wiederstehen gegen die Dunkelheit im Bösen.

War Enyas Abspann-Song zweimal zu oft durch den Eso-Schmalz gewoben, wirkt der von Miss Lennox auf meine Ohren allzu konventionel geraten. Meine Favoritin ist hier Emiliana Torrini. Nimmt man nur Musik wie ihre Stimme, stehen beide für ein Gefühl wie gebrochene Melancholie. Die Sehnsucht nach einem Ideal.

Erik Nagel hat gesagt…

Torrinis Song ist auch schön, aber mir zu spröde. Und zu melancholisch... Alle drei (Enyas vielleicht weniger) heben sich dennoch wohltuend von der Masse der Filmsongs ab.