Dienstag, 16. Juli 2013

Das wahre Landleben

Im Schnitt jede Woche muss ich zu einer Beratung in eine andere Dienststelle unserer Verwaltung fahren. Das bedeutet in diesem Fall einen Weg von etwa 45 Kilometer Länge und die gleiche Strecke wieder zurück. Gelegentlich, wenn es zeitlich passt, nehme ich einen Bus - meist passt es nicht, und ich müsste auf dem Hinweg eine Stunde und zurück zwei bis drei Stunden warten. Also fahre ich gewöhnlich mit einem Dienstwagen, manchmal mit Kollegen, die auch dort zu tun haben, meist aber allein.

Ich habe zwei Routen zur Auswahl, die sich in der Wegstrecke unwesentlich und in der Fahrtzeit so gut wie gar nicht unterscheiden. Eine führt ausschließlich über wenig reizvolle Bundesstraßen, die andere quer durch die märkische Landschaft, durch Wälder, weite Felder, verschlafene Dörfchen, über eine endlos erscheinende Allee unter schattigen Bäumen. Zurzeit wogen die Getreidefelder im Wind, zu anderen Zeiten leuchtet der Raps hellgelb vor grünen Wäldchen... Ich nehme immer die zweite Tour, die erste finde ich schlicht und einfach langweilig. Auf der zweiten sieht man mitunter sogar noch das echte Landleben: alte Leute, die in der Sommersonne auf einer Bank vor einem Haus sitzen; Maibäume, die auch im Juli noch stehen; Hunde, die faul in der Heimfahrt eines Bauernhofes liegen; Kühe, die zum Melken trotten...Ich genieße das.

In einem Örtchen gibt es sogar noch einen echten Landfleischer, wie man ihn sich vorstellt, an der Straße. Ob er im eigenen Geschäft auch schlachtet, weiß ich nicht, aber alles andere macht er in jedem Fall selbst. Die Ware ist sehr gut, und es fällt daher mitunter schwer, am Laden vorbei zu fahren, so vollgeparkt ist die Straße. Ich habe da sogar schon Traktoren und Sattelschlepper parken sehen, deren Fahrer sich etwas Aufschnitt, ein paar Schnitzel oder Hackepeter kauften.

Heute Morgen musste ich wieder in die andere Dienststelle - und als ich am Fleischer vorbei kam, muss er gerade neue Ware frisch angefertigt haben. Die ganze Straße duftete nach frischer Bratwurst, und mir lief das Wasser im Mund zusammen...

1 Kommentar:

Björn Schröbel hat gesagt…

So muss es sein auf dem Land und so bin ich zum Glück aufgewachsen.

LG Björn