Donnerstag, 11. Juli 2013

Blockadebrecher

Was hat die Wikipedia mit einer Schreibblockade zu tun?
Ich weiß jetzt, was eine Schreibblockade ist. Seit mehr als einer Stunde sitze ich jetzt hier und versuche, einen Text für meinen Blog zu schreiben. Und zum fünften Mal lösche ich alles nach dem ersten Absatz. Es gibt zwar durchaus einiges, was ich gerne veröffentlichen würde. Aber kaum überlese ich das Geschriebene, kommt es mir platt vor, nichtssagend, langweilig, affektiert… Weg damit!

Jetzt kann ich es mir natürlich schönreden und sagen: „Hey, du bist in guter Gesellschaft!“ Stephen King litt bekanntermaßen unter Schreibblockaden, Douglas Adams auch. Legendär ist ja die Geschichte, dass er sich aufgrund einer solchen Blockade so lange vorm Schreiben des zweiten oder dritten Bandes der „Per Anhalter“-Trilogie drückte, bis ihn der Verleger angesichts des herannahenden Erscheinungstermins buchstäblich in ein Hotelzimmer einsperrte. Hilft mir aber nicht, weil ich keinen Verleger habe. Und ich glaube auch nicht, dass mir dann irgendein Text besser aus den Fingern gleitet…

(Hey, schon zwei Absätze, und noch kein Verlangen danach, sie wieder auszuradieren!)

Die Frage ist natürlich: Warum komme ich nicht weiter? Wenn ich die Wikipedia unter dem Stichwort "Schreibblockade" zu Rate ziehe, werden mir da „verschiedene psychische Ursachen“ sowie „gesteigerte bzw. übermäßig hohe Aktivitäten der Schläfenlappen“ angeboten… Hmm. Ich weiß nicht, was mein Schläfenlappen ist, und ich habe auch keine Lust, das jetzt auch noch nachzuschlagen. Und „psychische Ursachen“? Klingt so ein bissel nach „Macke haben“. Das würde ich jetzt zwar nicht unbedingt verneinen, aber mit einer Schreibblockade bei mir auch nicht gerade in Verbindung bringen.

Nun bietet mir die Wikipedia aber auch einige Vorschläge, wie man da wieder herauskommt. Zum Beispiel diesen hier: „Viel schreiben, tägliche Erlebnisse festhalten“. Das ist an sich ja genau das, was ich auch in einem Blog machen will. Dennoch finde ich den Vorschlag recht amüsant: „Wenn man nicht schreiben kann, soll man viel schreiben“… Clever. So nach dem Motto: „Du hast Angst vorm Fliegen? Dann nimm am Vielfliegerprogramm der Lufthansa teil!“

(Wieder zwei Absätze. Habe ich die Blockade überwunden?)

Vielleicht sollte ich mir die Wikipedia aber auch nicht als Vorbild oder Ratgeber nehmen. Die Möglichkeit, jederzeit und überall (sofern man auch ein Smartphone hat) an Wissen von enzyklopädischem Umfang zu gelangen, ist zwar bestechend. Aber wie viel ist das manchmal wert? Wenn ich sehe, dass der Eintrag über Mick Foley zehn Mal so lang ist wie der von Sir Alexander Fleming, dann wage ich die Aussagekraft mancher Artikel doch beträchtlich zu bezweifeln. Zur Erklärung: Foley ist ein ehemaliger US-amerikanischer Wrestler, Fleming hat das Penicillin entdeckt…

Also lassen wir die Wikipedia ruhen, kümmern wir uns nicht weiter um „verschiedene psychische Ursachen“ sowie hyperaktive Schläfenlappen und versuchen, einfach etwas zu schreiben. Es wird schon wieder.

(PS: Für eine Schreibblockade ist das ein recht ansehlicher Artikel geworden)

(PPS: Ich habe doch nachgeschaut. Der Schläfen- oder Temporallappen beinhaltet den primären auditorischen Cortex, den wir für das Hören brauchen, das Wernicke-Sprachzentrum, das dazu beiträgt, dass wir Gesprochenes verstehen, den Hippocampus, wichtiger Bestandteil unseres Gedächtnisses, und neocorticale assoziative Areale, dank derer wir komplexe nichträumliche auditorische und visuelle Reize erkennen können – also Körperteile, Gesichter, Nahrung, Beute…)


(PPPS: Steht so in Wikipedia. Ich hoffe es stimmt. Der Eintrag zu diesem wichtigen Hirnbestandteil ist nur ein Zehntel so lang wie der zu „Asterix“.)

1 Kommentar:

Björn Schröbel hat gesagt…

Also trotz Schreibblockade ziemlich viel Text ;)
Bisher hatte ich glücklicherweise noch keine dieser Blockaden - hoffe es bleibt so.

Lieben Gruß
Björn :)