Montag, 13. April 2015

Ich mein' ja nur...

Ich habe mich hier die letzten Monate recht rar gemacht. Einer der Gründe bestand darin, dass ich nicht so recht wusste (bzw. es weiß), was ich mit diesem Blog derzeit anfangen soll. An sich finde ich es nach wie vor eine schöne Idee, mich hier zu produzieren, einige Erlebnisse preis zu geben, Gedanken los zu werden und auch mal meine Meinung darzulegen. Mit dem letzteren habe ich jedoch mitunter Probleme...

Nicht dass ich keine Meinung habe, im Gegenteil. Nur ist sie oft nicht die der Masse. USA-Bashing ist ja schon seit einiger Zeit gewaltig in; es gehört geradezu zum guten Ton, auf Uncle Sam verbal einzuprügeln und ihn für alles Schlechte in der Welt verantwortlich zu machen. Ich persönlich sehe das eben anders, differenzierter, nicht so einfach schwarz-weiß gezeichnet. Ich kann andererseits auch nichts, aber auch gar nichts mit der nur zu gerne zur Schau getragenen Larmoyanz anfangen, die weite Teile dieses Landes - und auch teilweise meinen Freundeskreis - erfasst hat. Wenn ich das alltägliche Klagen über alles und jeden höre, steigt bei mir oft der Blutdruck (nicht, dass ich mit allem hierzulande zufrieden bin, Gott bewahre, aber ich halte das meiste Klagen für Jammern auf höchstem Niveau...). Ich habe zu all dem oft eine eigene Meinung. Die muss nicht richtig sein, sie muss auch nicht jedem gefallen, aber es ist meine.

Und doch muss ich mir immer wieder überlegen, ob ich sie auch sagen soll. Es ist nämlich gar nicht so einfach, eine eigene Meinung haben, wenn sie einem anderen nicht gefällt.

Schon aus beruflichen Gründen beschäftige ich mich immer wieder mal mit der Meinungsfreiheit, wie sie so schön im Grundgesetz im Artikel 5 verankert ist. "Jeder hat das Recht, seine Meinung ... frei zu äußern und zu verbreiten ..." Mehr muss man eigentlich nicht schreiben; es gibt zwar noch Verfeinerungen und grundlegend richtige Einschränkungen, aber das ist der Punkt. Jeder, und speziell dieses Wort scheinen viele zu überlesen, wirklich jeder darf eine Meinung haben. Er muss nicht, und es wird auch niemand gezwungen, dass man diese richtig und gut und unumstößlich finden muss, aber man muss akzeptieren, dass es so ist.

Das fällt mitunter schwer. Auch mir, ich gebe es zu. Es gibt, wie ich bereits geschrieben habe, Meinungen, die mir nicht gefallen, die ich für falsch halte, und es gibt auch welche, gegen die muss man einfach vorgehen. Und trotzdem: Ich kann niemandem verbieten, eine bestimmte Meinung zu haben, oder ihn dafür verurteilen, dass er sie hat (von gewissen Einschränkungen abgesehen). Und das ist auch gut so.

Doch wie sieht die Praxis aus? Viel zu oft wird nicht um die Meinung diskutiert, sondern der Meinungsträger diffamiert. Es werden keine Argumente ausgetauscht, sondern der Verfechter einer Meinung angegriffen. Gerade im Internet ist dabei die Hemmschwelle besonders niedrig; ich habe schon erlebt, dass hochintelligente Leute, die ich persönlich sehr wertschätze, geradezu zu Mord und Totschlag gegen andere, missliebige Leute aufrufen, deren Ansichten oder Taten missfallen (das ist durchaus wörtlich zu verstehen). Ich habe auch erlebt, dass ein Leser eines meiner Posts, der ihm nicht gefiel, hinter meinem Rücken gegen mich hetzte und aufwiegelte. Wohlgemerkt, ich habe nur meine Meinung geschrieben, ich war - soweit ich das beurteilen kann - nicht mal beleidigend. Aber er fühlte sich angegriffen und motzte unter dem Tenor "Wie kannst du nur mit dem verkehren?" bei Bekannten gegen mich. Übrigens geschah das zur gleichen Zeit, als seine Freunde öffentlich gegen meine Behauptung, er könne schlecht mit Kritik umgehen, mit "das kann er sehr wohl, er ist sogar sehr selbstkritisch" hausieren gingen. Oder - auch das ist schon passiert - dass ich mir in einer anderen Diskussion ständig vorhalten lassen musste, ich würde die Argumente der Gegenseite ignorieren und nicht zur Kenntnis nehmen, wohingegen zu jedem einzelnen meiner Standpunkte gesagt wurden, die seien ja wohl nicht relevant und spielen hier keine Rolle.

Und nun frage ich mich: Muss ich mir das antun? Muss ich mich auf ein Stammtisch-Diskussions-Niveau begeben, nur um meine Meinung verteidigen zu müssen? Muss ich jedes Mal damit rechnen, das wegen einer von mir harmlos gedachten und gesagten (oder geschriebenen) Meinung ein Streit entbrennt? Das hier ist kein politischer Blog, ich will auch nicht provozieren oder andere vor die Stirn stoßen. Ich mache das zum Spaß, aber auch, um mich zu artikulieren, was heißt, dass ich nicht nur Katzenbilder veröffentlichen, von amüsanten Begebenheiten berichten und über gerade gelesene Bücher oder gesehene Filme schreiben will, sondern auch mal über Dinge, die mich bewegen. Ich will mich aber nicht rechtfertigen oder gar beleidigen lassen müssen, nur weil ich mal was sage, was jemand anderem nicht gefällt.

Das ist eigentlich schade. Aber Meinungen sind offenbar nicht mehr in dem Sinne gefragt, dass man sie sich zumindest mal anhören sollte, ob da nicht vielleicht doch was dran ist. Eher ist es zumeist so, dass die eigene als unumstößliches Dogma genommen wird, wohingegen jede andere schon aus dem Grund abzulehnen ist, weil es eine andere ist (ein Bekannter, mit dem ich viel per E-Mail kommuniziere, reagiert auf Meinungen von mir, die ihm nicht gefallen, in der Regel so, dass er mir meinen Originaltext zurück schickt und darin die ihm nicht gefallenden Passagen durchstreicht...).

Meinungsäußerung und -austausch? Darunter verstehe ich was anderes. Ich mein' ja nur...

1 Kommentar:

martin malepo hat gesagt…

Servus, wie kannst du nur so etwas schreiben, das ist ja unerhört!

:)

Wen interessiert schon die Meinung eines anderen, wenn sie die eigene nicht bestätigt.

... ich kann gut nachvollziehen, was du schreibst